Als die Winter noch Winter waren – Buchpremiere und Lesung mit Bernd Brunner | 27. Oktober

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Einer der Autoren, dessen kulturgeschichtliche Darstellungen unterschiedlichster Phänomene schon seit Gründung unseres Ladens in unseren Räumen zu finden sind, ist Bernd Brunner. Nach dem Mond, den Ornithologen und der horizontalen Lebensform hat er sich nun der kalten, weissen Jahreszeit gewidmet und wir freuen uns sehr, dass er bei uns sein neues Werk „Als die Winter noch Winter waren“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellt. Die Lesung und Präsentation beginnt um 19:30 Uhr, kostet 3 € Eintritt und wird von Heiko Werning moderiert.

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Das Grauen vor dem ewigen Eis, die Schönheit unberührter Schneelandschaften, die Sehnsucht nach winterlicher Reinheit, die Geburt des Alpinismus und des Wintersports – Bernd Brunner schreibt die erste Kulturgeschichte des Winters.

Während der letzten zwei Jahrhunderte hat sich unser Verhältnis zum Winter grundlegend geändert. Früher diktierte das Wetter das Leben – heute sind wir davon weitgehend autark. 2015 gilt als wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen; zu Weihnachten schwebten statt Schneef locken Haselpollen durch die Luft. Mancherorts blühten sogar die Mandelbäume.

Bernd Brunner begibt sich auf die Suche nach Geschichten und Stimmungen des Winters in verschiedene Weltgegenden und Zeiten, sogar bis zurück zur Eiszeit. Dabei begegnen ihm viele spannende Phänomene, aber auch Menschen wie der Amerikaner Wilson A. Bentley, ein Bewunderer des Schnees, der ausdauernd und in mühevoller Kleinstarbeit 5381 Fotografien von Schneef locken gemacht hat. Werner Herzog betrieb ausführliche Schneestudien, als er von München nach Paris wanderte, er notierte zahlreiche Beobachtungen in seinem Tagebuch. Ein skurriles Phänomen stellt das »Inuit-Paradox« da: Die Inuit ernähren sich traditionell beinahe ausschließlich von Fleisch. Ihren hohen Energiebedarf decken sie mithilfe eines besonderen Anpassungsmechanismus, der Fleisch in Traubenzucker, der sonst aus Kohlenhydraten gewonnen wird, umwandelt.

Aber auch die Gefahren des Schnees werden nicht verschwiegen: Orientierungslosigkeit in der Schneewüste, Schneeblindheit, Lawinen sowie die trügerische Wärme eines Schneehohlraums, der Tiere im Winterschlaf vor dem Tod bewahrt, für Menschen hingegen lebensgefährlich ist.

Spannend und kenntnisreich erzählt Brunner in seinem mit kulturhistorischen und wahrnehmungsgeschichtlichen Fakten gespickten Buch von der Mythologie des Winters.

»Von manchen Büchern weiß man erst, wenn man sie in den Händen hält, dass sie fehlten.« Anja Hirsch in der NZZ am Sonntag über Brunners Die Kunst des Liegens