Buchpräsentation – (Mit) Pflanzen kartografieren / Mapping (with) Plants

An diesem Abend wird ab 20 Uhr die Publikation „(Mit) Pflanzen kartografieren / Mapping (with) Plants“ von der Mitherausgeberin Hanne Loreck und der beteiligten Künstlerin Jana Seehusen im Zabriskie vorgestellt. Das Buch entstand aus den Ergebnissen des gleichnamigen Symposiums, in welchem aus künstlerischer und künstlerisch-wissenschaftlicher Sicht Fragen nach der Rolle der Botanik und ihrer eurozentristischen Prägung aufgeworfen wurden, und die Domestizierung des Wildwuchses im übertragenen wie pflanzlichen Sinn in Taxonomien und botanischen Gärten zur Debatte stand.

Über das Buch:
https://zabriskie.de/produkt/mit-pflanzen-kartografieren-mapping-with-plants/

(Mit) Pflanzen kartografieren / Mapping (with) Plants bringt kunst- und medienwissenschaftliche sowie philosophische Essays mit Ergebnissen künstlerisch-wissenschaftlicher Forschung zusammen. Close-readings and -viewings aktualisieren marginalisierte künstlerische Positionen von Künstlerinnen der Zeit um 1900, die sich auch als Botanikerinnen verstanden. Junge Künstler*innen der Hochschule für Bildende Künste Hamburg HFBK stellen sich je eigene Fragen nach der Poesie der Pflanze, ihren Nutzaspekten, z. B. für Parfum-Kreationen, zur Ökonomie der Salat-Zucht in digitalen Zeiten oder zu ihren sensorischen Mechanismen. Zudem trägt der Band zur Revision des Eurozentrismus und der kolonialen Gewalt in und mittels der Botanik als naturwissenschaftlicher Disziplin bei. Dabei gibt der reiche Bestand an Foliobänden und Vorlagenwerken der Bibliothek der Hochschule für bildende Künste Hamburg ein prachtvolles Back-up für die historische Rolle von Naturstudien für ornamentale Stilisierungen in der Kunst und ihrer Lehre. Gleichzeitig transportieren diese Blätter über die ästhetischen und medialen Vorlieben ihrer Zeichner und Drucker auch die zeitgenössisch jeweils unterschiedlichen Ideen des Mensch-Natur-Kunstverhältnisses und reproduzieren dabei unbemerkt eben jene kolonialen und Geschlechterhierarchien, die aus ökofeministischer Perspektive auf dem Prüfstand stehen.

Prof. Dr. Hanne Loreck ist Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften / Gender Studies und Mitglied des Studienschwerpunkts Theorie und Geschichte. Sie arbeitet zudem als freie Autorin und Kunstkritikerin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Subjekttheorie, Fragen ästhetisch-politischen Handelns sowie Theorien des Bildes und der Wahrnehmung. Sie war als Dozentin und Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten und Kunsthochschulen tätig, bevor sie 2004 an die HFBK Hamburg berufen wurde.

www.hanneloreck.de

Jana Seehusen, Künstlerin und Autorin, forscht zu Sprach – und Handlungsweisen des Zwischen, des Dritten und der Verschiebung sowie Un/Sichtbarkeit und Identitätspolitiken, so auch im Rahmen ihres Promotionsprojektes F/flashforward; aktuell zu Fragen von ›being in transition‹ als ein Zustand zwischen der Vergangenheit und einer imaginierten Zukunft mit D’EST: Screening #1 / The Suspension and Excess of Time, see:  www.d-est.com

www.janaseehusen.com

Über das Symposium:
Das Symposium warf in fünf Beiträgen aus künstlerischer und künstlerisch-wissenschaftlicher Sicht Fragen nach der Rolle der Botanik und ihrer eurozentristischen Prägung auf. Die Domestizierung des Wildwuchses im übertragenen wie pflanzlichen Sinn in Taxonomien und botanischen Gärten stand zur Debatte. Und Modelle des Agrarischen bzw. Ideen von Landschaft wurden in einem ökofeministisch-politischen Denken der Brache und des notwendig Unproduktiven bereits um 1900 gegen Formen der Ausbeutung gesetzt. Die Beteilgten haben aus zugleich künstlerischer und menschenrechtsaktivistischer Perspektive etwas über Pflanzen, Saatgut und Territorien als Machtkonstellation erfahren. Dass Pflanzen derzeit in den Fokus kulturwissenschaftlich-philosophischer Aufmerksamkeit rücken, hat nicht nur mit einer Kritik am Anthropozän – an der vom Menschen »gemachten« Erdgestalt mit weitreichenden Problemen wie dem Klimawandel – zu tun, sondern wesentlich auch mit der zunehmenden Verschaltung von Mensch und Maschine: Fühlen, Subjektivität, Sensitivität und Affektivität sind nicht länger Privilegien des Humanum; längst werden sie in einer Naturkultur geteilt, zu der das Humanimal ebenso zählt wie die digitalen Apparate und eben Pflanzen, Bakterien, Parasiten.