Ludwig Fischer liest: Natur im Sinn. Naturverhältnis, Nature Writing und die deutsche Literatur

Ludwig Fischer hat vergangenes Jahr mit seinem Brennnessel-Portrait in der Naturkundenreihe mitgeholfen, diese verkannte Wunderpflanze aus dem Schattendasein zu holen. Nun liest er an diesem Abend im Rahmen des Nature-Writing-Specials des ilb / internationalen literaturfestivals berlin aus seinem Anfang 2019 bei Matthes & Seitz Berlin erscheinenden Werk „Natur im Sinn. Naturverhältnis, Nature Writing und die deutsche Literatur“. Die Lesung beginnt um 19:30 Uhr, und der Eintritt kostet 8 € (ermäßigt 6 €, Schüler 4 €).

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Über das Buch:
Zwischen 1795 und 1855 haben Georg Forster mit seinem großen Reisebericht über die Weltumsegelung mit James Cook und Alexander von Humboldt mit den berühmten Werken über seine Forschungsreisen Beispiel gebende, wirkungsmächtige Texte verfasst, in denen von intensiver Naturerkundung in einer reichen, lebendigen Sprache erzählt wird. Sie sind Vorbilder nicht zuletzt für die vielfältige, bedeutende Tradition des Nature Writing in den USA und in Großbritannien gewesen. Nicht nur Henry David Thoreau beruft sich auf sie. Und heute ist New Nature Writing eine breite Bewegung. In der deutschsprachigen Literatur hat es seit Humboldt keine vergleichbaren Entwicklungen gegeben. Es finden sich einige verkannte, vergessene, unbeachtete Texte, bis in die Gegenwartsliteratur. Aber bis heute scheint es bei uns keine schriftstellerische Option zu sein, einlässliche Naturerkundungen zu unternehmen und sie literarisch auszuarbeiten. Der aktuelle Boom von ›Naturbüchern‹ aller Art und die nachholend übersetzten, wichtigen Nature Writing-Werke geben allen Anlass, gründlich über die Fragen nachzudenken, wie Natur in den Texten erscheint, auf welchen Grundlagen die literarische Vergegenwärtigung von Natur aufruht, so wie genuines Nature Writing sie schafft, welche Formen sie annimmt,  und nicht zuletzt, welche Rolle sie bei der Verständigung über unser gesellschaftliches Naturverhältnis spielen kann – eine Verständigung und Auseinandersetzung, die heute dringlicher ist als je.

Ludwig Fischer erörtert die ›Arbeit der Sinne‹, von der authentische Naturerfahrung und -erkundung ausgeht. Er behandelt zentrale wahrnehmungs- und erkenntnisanalytische und neuere subjekttheoretische Konzepte, setzt sich mit den basalen Mustern unserer Naturvorstellungen und Naturbilder auseinander, erkundet die ›Protestenergie‹, die so viele Texte des Nature Writing durchzieht. Er prüft viele, auch verborgene Werke und Traditionslinien der deutschsprachigen Literatur – und er befasst sich mit dem fordernden Thema ›Literatur und die Zukunft der Natur‹. Aber Ludwig Fischer erzählt auch: Eingeschoben zwischen den 36 großen Thesen der Grundlagenreflexion stehen erzählende, essayistische und poetische Stücke. ›Exerzitien‹ nennt er sie, Übungen anderer Art, sich mit den Möglichkeiten der Naturerkundung zu befassen. Die Texte illustrieren die Thesen nicht, sie unterbrechen die theoretische Arbeit, um die ›Arbeit der Sinne‹ selbst sprechen zu lassen. Eine fundamentale, glänzend geschriebene Auseinandersetzung mit Kernfragen unseres Naturverhältnisses und mit den Möglichkeiten der Literatur, die etwas anderes bestärken will als Unterwerfung und Ausbeutung der natürlichen Mitwelt. Fluchtpunkt der Überlegungen ist nicht ein Import, eine Adaption von Nature Writing, vielmehr die Anregung, sich hierzulande anders und stärker als bislang mit der Erkundung von Natur als literarischer Herausforderung zu befassen.

Das Buch erscheint Anfang 2019 bei Matthes & Seitz Berlin.

Ludwig Fischer, geboren 1939 in Leipzig, war Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur an der Universität Hamburg. Fischer arbeitete zur Gegenwartsliteratur und Sozialgeschichte der Literatur unter Berücksichtigung von Massen- und Unterhaltungsliteratur. Seine weiteren Forschungsgebiete waren Medienwissenschaft, Kulturtheorie und -geschichte sowie Kultursoziologie. Darüber hinaus ist Fischer Landschafts- und Naturtheoretiker, Schriftsteller, Gärtner, Kräuterexperte.

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