Kuriose Welten | Lesereihe zu Naturerscheinungen #8 | Jean-Marie Dhur | Fr. 15. Mai

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Am zweiten Abend der Lesereihe über Pilze geht es um den Komponisten, Poeten und Fungi-Liebhaber John Cage.
Die Lesung wird um 19 Uhr beginnen. Sie wird größtenteils auf Deutsch sein, mit ein paar englischen Einsprengseln.

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John Cages andere große Leidenschaft neben dem Komponieren waren Pilze. Suchen, Bestimmen, Sammeln, Zubereiten, Essen – Cage war fasziniert von allem, was mit diesen eigenartigen Lebewesen zusammenhängt.
Nach seinen wichtigen Aktivitäten in den Anfangstagen der modernen amerikanischenHobbymykologie, unter anderem als Gründer der New York Mycological Society, versuchte er, seine Fungi-Erfahrungen  mit seinen Kompositionen und Dichtungen zu verknüpfen, was im Mushroom Book 1972 seinen Höhepunkt erreichte.

Jean-Marie Dhur, Mitbetreiber des Zabriskie-Buchladens und selbst Pilzbegeisterter (noch in den Kinderschuhen), wird aus einem Essay von David W. Rose über Cages Pilzleben, und aus Texten von Cage selbst, unter anderem aus „Silence“ und dem „Mushroom Book“ lesen.

„Ich schlage vor, dass untersucht werden sollte, welche Klänge das Wachstum welcher Pilze vorantreiben; ob Pilze selbst Klänge erzeugen; ob die Lamellen von bestimmten Pilzen von kleinflügligen Insekten benutzt werden für das Zupfen von Pizzicati – und ob die Röhren der Boletus-Familie, der Dickröhrlinge, als Blasinstrumente dienen; ob die Sporen, welche in Größe und Form sehr unterschiedlich sein können und in ihrer Menge unzählbar sind, beim Auf-die-Erde-Tropfen Gamelan-artige Wohlklänge hervorrufen; und letztendlich, ob all diese unternehmungslustigen Vorgänge, deren zarte Existenz ich stark vermute, durch technische Vorrichtungen in unsere Theater gebracht, verstärkt und vergrößert werden könnten – mit dem Ergebnis, unsere Abendunterhaltungen interessanter zu machen.” John Cage, “Music Lover’s Field Companion”, Auszug aus “Silence”, 1961

“Als ich durch den Wald ging um Pilze zu suchen, dämmerte es mir”John Cage, “Indeterminacy”, Auszug aus “Silence”, 1961

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John Cages other big love besides the composing were mushrooms. Hunting, identification, collecting, cooking, eating – Cage was fascinated by every single aspect in his engagement with these peculiar lifeforms. After his important activities in the very early days of modern amateur mycology in the US, among other things as the founder of the New York Mycological Society, he tried to combine his experiences as a mycologist with his composings and his poetry – this culminated in the 1972 Mushroom Book.

Jean-Marie Dhur, co-operator of the Zabriskie book shop and mushroom devotee himself (though being in the fledgling stages), will read from an essay by David W. Rose about Cage’s mushroom life and from texts by Cage himself, among others from „Silence“ and the „Mushroom Book“.

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„I propose that it should be determined which sounds further the growth of which mushrooms; whether these latter, indeed, make sounds of their own; whether the gills of certain mushrooms are employed by appropriately small-winged insects for the production of pizzicati and the tubes of the Boleti by minute burrowing ones as wind instruments; whether the spores, which in size and shape are extraordinarily various, and in number countless, do not on dropping to the earth produce gamelan-like sonorities; and finally, whether all this enterprising activity which I suspect delicately exists, could not, through technological means, be brought, amplified and magnified, into our theaters with the net result of making our entertainments more interesting.“ – John Cage, „Music Lover’s Field Companion“, excerpt from „Silence“, 1961

„While I was walking in the woods looking for mushrooms, it all dawned on me“ – John Cage, „Indeterminacy“, excerpt from „Silence“, 1961