Alfred Möllers Dauerwaldidee

Wilhelm Bode (Hg.)

24.00 

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  • Matthes & Seitz Berlin
  • 2021
  • ISBN 9783957579638
  • 476 Seiten
  • Klappenbroschur
  • 21 × 12 × 3.5 cm

Mit den Reprints sämtlicher Beiträge Alfred Möllers zur Dauerwaldidee 1920–1922

Wald ist nicht alles, aber ohne Wald ist alles nichts. Diese Erkenntnis hat die Politik erreicht, die sich nun vom Denkmuster des Holzanbauprinzips lösen und die Fortswissenschaft vom Holzweg der Altersklassenwirtschaft abbringen muss. Wollen wir morgen noch Wald in Deutschland haben und nutzen, brauchen wir eine Waldökosystemwirtschaft. Das heißt, die Holzproduktion muss auf eine systemische Grundlage gestellt werden, die sich aus dem Wald als hochkomplexem und intensiv vernetzten Ökosystem ableitet.

Die bereits 1920 formulierte Dauerwaldidee Alfred Möllers ist daher so aktuell wie nie zuvor. Seine epochale Schrift ist in dieser Neuauflage um Beiträge von Naturschützern und Fortwissenschaftlern ergänzt, die wissen: Wälder, die diesen Namen ökologisch und biologisch verdienen, kann man nicht pflanzen, sondern nur erziehen und in dynamisch stabile Dauermischwälder überführen. Denn es ist schließlich der Wald, der hilft, unser Klima zu retten.

Herausgegeben und kommentiert von Wilhelm Bode aus Anlass einer 100-jährigen Disukussion um die revolutionäre Dauerwaldidee Alfred Möllers

Alfred Möller (1860-1922), erforschte mit Unterstützung des deutschen Kaiserhauses Mitte der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts drei Jahre lang den Amazonasurwald und gewann u.a. am Beispiel der engen Lebensgemeinschaft von Bäumen und Pilzen erste Einblicke in den systemischen Aufbau und die innere Struktur natürlicher Wälder. 1899 wurde ihm das Fach Waldbaulehre an der preußischen Forstakademie Eberswalde übertragen, der er ab 1906 als Akademiedirektor vorstand, bis er 1921 durch einen bürokratischen Trick seiner Gegner abgelöst wurde und kurz darauf verstarb. Zuvor, 1920, hatte Möller erstmals seine Dauerwaldidee veröffentlicht, die die forstliche Fachwelt seiner Zeit elektrisierte, wie keine waldbauliche Innovation vor ihm. Er widersprach dem schlagweisen Altersklassenwald, der von ihm als Holzackerbau bezeichnet wurde, und formulierte erstmals einen systemischen Ansatz für den »Organismus« des Waldes, dessen Stetigkeit, sein Kontinuum aus Raum und Zeit, nicht durch die Bewirtschaftung geschädigt werden dürfe. Erst Jahrzehnte später etablierte sich derselbe Grundgedanke als fachübergreifende Kybernetik, deren Erkenntnisse und Methoden von der linear und kausal denkenden Forstwissenschaft bis heute ignoriert werden.

Wilhelm Bode, 1947 geboren, Jurist und Forstakademiker, leitete zunächst die Landesforstverwaltung und später die oberste Naturschutzbehörde des Saarlandes. Er führte 1987 erstmals in einem Bundesland die kahlschlagfreie Dauerwaldwirtschaft flächendeckend ein. Er initiierte u.a. die heutige Biosphärenregion Bliesgau und 2004 die Ausweisung von fünf Clustern alter Buchenwälder als deutschen Beitrag zum UNESCO-Weltnaturerbe Europäische Buchenwälder. Als NABU-Waldsprecher initiierte er zusammen mit Hans D. Knapp die schlussendlich 2019 erfolgte Ausweisung der Kaspischen Wälder zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Beiträge zur Zukunft des Waldes, der Jagd und der Forstwirtschaft, unter anderem Die Waldwende (zusammen mit Martin von Hohnhorst), Naturnahe Waldwirtschaft (Deukalion), sowie bei Matthes & seitz Berlin in der Reihe Naturkunden Hirsche und das Portrait der Tannen.

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