G – Geheimnis (Kleiner Stimmungs-Atlas in Einzelbänden)

Florian Hadler

12.00 

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  • 2014
  • ISBN 978-3-941613-88-1
  • 100 Seiten
  • Broschiert
  • 17 x 12 x 2 cm

NSA? Spionage? Noch nie davon gehört. Im Begriff des Geheimnisses verbergen sich Aporien der Aufklärung, Spuren magischer Weltverhältnisse, machtpolitische Arkana und nicht zuletzt messianische Versprechen von Offenbarung, Entdeckung, Lösung und Befreiung: Der Blick hinter die Kulissen der Macht in der journalistischen Rhetorik, die Obduktion der kleinsten Dinge und der Einblick in die verborgensten Zusammenhänge der physikalischen Welt im Large Hadron Collider, die verschlüsselten Botschaftsdepeschen, die ärztliche Schweigepflicht, Betriebsgeheimnisse, Zaubertricks, kriminelle und subversive Kommunikation, Tabus, die Idee des Privaten, das Expertenwissen – diese Reihe lässt sich augenscheinlich endlos weiterführen und man stellt schnell fest, dass eine Rede über das Geheimnis an und für sich nicht möglich zu sein scheint. Eine pauschale Rede vom Geheimnis an sich liefert sich einem (meistens gerechtfertigten) Pathosverdacht aus. Das Geheimnis erweist sich in diesen Fällen als oszillierender, polarisierender Kampfbegriff, der immer wieder in der Literatur hervorragt und von Georg Simmel als eine der größten Errungenschaften der Menschheit, von Friedrich Nietzsche als Beginn der Kultur und von Wilhelm Emrich als Element jeder großen Dichtung beschrieben wird. Diese polemischen Überhöhungen des Geheimnisses bieten für zeitgeistige Kommentare genügend Projektionsfläche, die aufgrund ihrer integrativen Unschärfe oft auf einem feuilletonistischen Niveau verhaftet bleiben, insbesondere wenn sie sich mit aktuellen Themen wie Transparenz und Datenschutz verbinden. Bei näherer Betrachtung dessen, was als geheim bezeichnet wird, zeigen sich hingegen wiederholt die Bedingungen der Unzugänglichkeit des Untersuchungsgegenstandes Geheimnis – ein Phänomen der Begriffsarbeit, das jede philosophische oder undisziplinierte Methode begleitet, die nach der Unvollständigkeit des eigenen Themas sucht. Das dekonstruktive Prinzip der genealogischen Untersuchung verwandelt das Geheimnis in ein unbekanntes Objekt X, das als Thema lediglich vage durchklingt, vor allem aber in seiner Varianz erscheint. Das Geheimnis bleibt ein Phantasma, das sich immer wieder an verschiedenen Orten auskristallisiert.

Florian Hadler unterrichtet an der UdK Berlin und arbeitet als Berater im Bereich digitaler Kommunikation.

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