Testcard #26 – Utopien

Roger Behrens, Jonas Engelmann, Frank Apunkt Schneider, Laura Schwinger, Anna Seidel, Jana Sotzko, Holger Adam, Johannes Ullmaier, Christian Werthschulte (Hg.)

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  • Ventil Verlag
  • 2019
  • ISBN 978-3-931555-25-2
  • 336 Seiten
  • Broschur, mit zahlr. Abb.
  • 23 × 15.5 × 1.6 cm

Wo ist die rote Sonne hin?

»Bis heute realisieren die Utopien sich bloß, um den Menschen die Utopie auszutreiben und um sie aufs Bestehende und aufs Verhängnis desto gründlicher zu vereidigen.« – Theodor W. Adorno, »Prolog zum Fernsehen«

Dass es leichter sei, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus, wird zu einer Gewissheit, die kaum noch skandalös ist: So what? Wenn es stimmt, dass die Utopien verschwunden sind, wie steht es dann – im und als Pop – um: Revolution, Zeit, Raum, Erinnerung, Erfahrung, Hoffnung, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Geschichte, Fortschritt, Dynamik, Möglichkeit/Wirklichkeit …? War Pop nicht der Soundtrack einer besseren Welt, die Ode an die Freiheit des realen Humanismus?

Popgeschichte ist auch die Geschichte unzähliger Utopien, gelebter und gewünschter Entwürfe einer anderen, einer besseren Welt, die von Freedom und Happiness und Love bestimmt sein soll. Der Pop selbst beanspruchte schließlich, eine Utopie zu sein, ein verwirklichter Traum vom guten Leben. Allerdings ist Pop in all seiner Vielfalt immer auch das Gegenteil von Utopie gewesen: die auf die private Nische reduzierte Idylle, in der jede und jeder sich irgendwie durchwurschtelt, das bescheidene Glück des Augenblicks (im Konzert, im Kino, im Konsum) oder das ins Unterhaltungsformat gebrachte Schreckensszenario, die Katastrophe als Entertainment, die Dystopie. Pop ist eben nicht nur Nicht-Ort, nowhere, sondern ein now here, Jetzt-Hier.

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Inhaltsverzeichnis

Editorial

Frank Apunkt Schneider:
Utopische Gegen­wart: Das Pop­versprechen. Standortbestimmung für die ­Poplinke ­(Staffel 2)

Alexander Neupert-Doppler:
Zurück in die Zukunft? Neues vom Nirgendwo. Die 2010er-­Jahre sind ein ­Jahrzehnt der ­Suche nach ­Utopien.

Christian Schmitt:
Schäfer_innen-­Spiele. Arkadien und Utopien in der Popkultur

Laura Schwinger:
Dark ­Enhancement. Die gesellschafts­politischen ­Implikationen ­transhumanistischer Utopien

Mark Fisher:
Acid ­Kommunismus (unvollendete ­Einleitung)

Anna Seidel:
»It’s about ­change and the power to ­change« Von Pop-Manifesten, von Utopien und vom Scheitern

Klaus Walter:
Space ist immer noch the place. Zur Renaissance des Afrofuturismus

Didi Neidhart:
Scary Monsters & Super Creeps. Verstreute Notizen aus dem Garten der Restposten

Jan-Niklas Jäger:
Echos aus dem Paradies. Fitzgerald, Jazz-Age, Pop-Utopien

Jonas Engelmann:
­Mythen in ­Tüten. Plastik als ­Gleichnis für den Alltag der ­Utopie

Wolfgang Buechs:
Zuhause während der digitalen ­Revolution.

Tomorrow Never Mind. Here’s the Utopie-­Diskografie

Lis Schröder:
Autotune und Angst.

Laura Schwinger:
Wo die Plastikblumen blühen. Das arkadische Musikvideo

Johannes Ullmaier:
Another Music From a Different Folk. Interview mit Diedrich Diederichsen zum Verhältnis von Pop und Povo im Tropicálismo

Gerald Fiebig:
Nichts (als) Noise unter der Sonne? Utopien und Aporien des Noise

Andreas Fischer / Daniel Dravenau:
White Trash Utopia. Country Rap zwischen Nostalgie und Dystopie

Ingo Techmeier:
New Atlantis. Utopien der elektronischen Musik

Ferdinand Praxl:
Trost, Pflaster, Strand. Einigermaßen fiktives Gespräch über Pop und Utopie

Kevin Vennemann:
»Now, you think you’re still in the bush or some damn ­where?« Migration und Urbanität in den Filmen der L.A. Rebellion

Nicklas Baschek:
Pop, ­Regression und Kritik. Warum es nicht ausreicht, ­zwischen ­Retro und Innova­tion zu unter­scheiden

Oksana Shatalova und Georgy Mamedov:
Queer-­Kommunismus ist eine Ethik. Futurologie des Ausschlusses

Manfred Ahriman Heinfeldner:
My Personal Hippie. Der kurze Sommer der Utopie

Veronika Kracher:
Imagine there’s no gender. Zur feministischen Utopie in der Literatur

Norma Schneider:
Ferne Welten und neue Menschen. Utopie in ­Science-Fiction-Filmen und -Serien

Jasper Nicolaisen:
»Von Mund zu Mund zu Hand zu Arsch zu Mund – äußerst geordnet, gesellig, aufmerksam, still und ­fürsorglich«. Die sexuelle Heterotopie von Samuel Delany

Marcel Braun:
Mode, die die Welt verändert? Überlegungen zum utopischen ­Potential von Mode

Alissa Starodub:
Urbane Utopien, also Trash-Theorie zum Tanz auf den ­Ruinen der Betonklötze